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Geschichte der Desmodromischen Ventilsteuerung

Die erste desmodromische Ventilsteuerung über eine „ringförmige Nocke“

Die von dem französischen Hersteller Bignon entwickelte desmodromische Ventilsteuerung

Die von FIAT vorgestellte Lösung

Die im Formel-1-Mercedes, dem zweifachen Weltmeister mit Fangio, verbaute desmodromische Ventilsteuerung

Das Mercedes-System geht auf eine Idee von J.L. Norton, dem Gründer des gleichnamigen Werks zurück

Die erste von Ing. Taglioni für Ducati entwickelte desmodromische Ventilsteuerung, die bei der 125 Desmo zum Einsatz kam

Die erste, in der Serienproduktion der Mark 3 aus dem Jahr 1968 verbaute desmodromische Ventilsteuerung

Das desmodromische Diagramm eines Ducati Zweizylindermotors mit zwei Ventilen

 
 

Der Begriff desmodromisch geht auf das griechische Wort „DESMOS" (Verbindung) und „DROMOS" (Rennen, Strecke) zurück. Im Bereich der Mechanik wird er zur Beschreibung von Mechanismen verwendet, die anhand einer spezifischen Steuerung jeweils in zwei Richtungen betätigt werden können (Öffnungsschlepphebel und Schließkipphebel).
Heute versteht man unter „desmodromisch" gemeinhin ein für unsere Motorräder typisches Ventilsteuerungssystem: Derzeit findet dieses System auf allen in Produktion befindlichen Zweizylindermaschinen Anwendung und steht exklusiv für Ducati. Die Ventile (Aus- und Einlassventil) werden sowohl durch die Öffnungs- als auch durch die Schließbewegung gesteuert, die zuvor durch den Rückzug einer Feder übertragen wurde.

Das „desmodromische" Konzept ist keine Neuentdeckung. In der Mechanik war es bereits seit Jahrhunderten bekannt und im Motorrad- und Automobilbereich fand es bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine leider nicht immer sehr erfolgreiche Anwendung. In der Vergangenheit sahen sich Designer aufgrund der chronischen Unzuverlässigkeit der Federn (kaum zu glauben, aber in Bedienungsanleitungen wurde empfohlen, sich vor Reiseantritt eine Federreserve zuzulegen... die Federn waren oftmals außen am Motor in leicht zugänglicher Position angebracht, um leicht ausgewechselt werden zu können) zu diesem System gezwungen. Dabei versuchten sich viele mit ganz eigenen mechanischen Interpretationen. Keine dieser im Verlauf der Zeit aufgetauchten Lösungen - außer der von Ducati - schaffte jedoch den Sprung in die Serienproduktion, was durch die komplexe Verarbeitung und die extrem teuren Materialen bedingt war.

1910
Der Engländer Arnott erfand das erste desmodromische System mit einem speziell geformten Element, in dem sich die Nockenwelle bewegte sowie mit einem Ventilstößel mit Ring und Feder.

1920
Der Franzose Bignan baute einen Sportwagen mit desmodromischen Motor: Das Steuerventil unterlag einem ausgefeilten System, das auf einer aus einer „schräggeschnitten Scheibennocke" basierte.
Er gewann das 24 Stunden-Rennen von Spa und stellte einen neuen Rekord auf der Rennstrecke in Brooklands, in England, auf. Die Herstellungskosten und die aufwendigen Wartungsarbeiten standen einer Serienproduktion jedoch im Weg.

1923
FIAT stellte eine Lösung vor, die auf einer „Nockenwalze" beruhte.

1954
Mercedes erzielte mit dem Desmo-System herausragende Ergebnisse in der Formel 1. Der wundervolle 8-Zylinder W196, mit dem Fangio zwei Weltmeisterschaften gewann, verwendete ein äußerst fortschrittliches und essentielles Ventilsteuerungssystem: Eine Nocke (Öffnung), die direkt auf einen Gleitschuh am oberen Schaftende (zylinderförmiger Stößel) wirkte, während die andere (Schließung) über einen nicht fluchtenden Kipphebel eingriff und das Ventil zurückzog.
ANEKDOTE
Der über die Vormachtstellung der Silberpfeile besorgte Enzo Ferrari dachte damals oft über den Desmo nach....und sprach auch mit Taglioni darüber: Gut denkbar, dass bei Taglioni damals die Idee für seine Ducati-Desmodronik entstand!

1958
Das Mercedes-System geht auf eine Idee von J.L. Norton, dem Gründer des gleichnamigen Werks zurück, der endlich einen 500 cm³-Motor mit desmodromischer Ventilsteuerung mit vier obenliegenden Nockenwellen anbot:
Das äußerst aufwendige und voluminöse System wurde jedoch wieder fallen gelassen.

1956
Ingenieur Taglioni ebnete in Ducati den Weg zur Desmodromik: Erstmals wurde die desmodromische Ventilsteuerung mit drei obenliegenden,

königswellenbetriebenen Nockenwellen in der 125er GP (die Premiere fand beim Großen Preis in Schweden mit dem Sieg von Degli Antoni statt) verbaut.
Ab diesem Zeitpunkt wurde die Desmodromik zum exklusiven Ducati-System.

1968
Die erste serienproduzierte Desmo kam dann erst 1968 mit der Mark 3 Desmo 250 und 300. Dieser Motor hatte praktisch die gleiche Ventilsteuerung wie die heutigen 2-Ventiler-Twins, was seine Qualität bestätigt. Damals war es möglich, den Desmo-Zylinderkopf mit einem Aufpreis von 35000 Lire auf den Listenpreis zu erhalten.

1972
Ein Datum von grundlegender Bedeutung in der Desmo-Geschichte: Die erste Version des Desmo-Systems kam 1972 beim „200 Meilen von Imola" zum Einsatz.
Zwei Jahre später und infolge des traumhaften, von Paul Smart bei diesem Rennen geholten Siegs, wurde die 750 SS Desmo lanciert: Diese erste serienmäßige Desmo-Zweizylindermaschine ist für viele das schönste Motorrad aller Zeiten.

1987
Lucchinelli gewann das Daytona-BOT-Rennen mit einem Prototyp eines luftgekühlten 851 cm³ Vierventilers: Damit wurde die moderne Desmo-Ära mit einer unendlichen Reihe an SB-Weltmeisterschafts-Siegen eingeläutet.

1988
Der Desmoquattro hielt Einzug in die weltweite Motorradbestsellerszene: Die 851 Superbike war das erste Serienmotorrad mit Desmo-Motor und vier Ventilen pro Zylinder.

1994
Die fantastische 916 läutete das moderne Zeitalter des Motorradsports ein.


2000
Die letzte Evolution des 4-Zylinder-Twins des 2. Jahrtausends wurde in der 996R verbaut, dem Spitzenmodell der Produktion 2000, deren Neuheiten unter anderem eine neu entworfene Ventilsteuerung betrafen. Sie gibt 136 PS (100 kW) bei 10.200/min und 101 Nm bei 8000/min ab.


 

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