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Bruno Cavalieri Ducati

Die Brüder Bruno, Adriano und Marcello Cavalieri Ducati, Gründer des in Borgo Panigale ansässigen Unternehmens.

Das bis heute als Firmensitz von Ducati Motor genutzte Werk in Borgo Panigale wurde von Bruno Ducati persönlich entworfen.

Im Verlauf von fast einem Jahrhundert wurde der Zusammenhalt der drei Brüder immer stärker.

Bruno Cavalieri Ducati verstarb am 18. Mai 2001. Er stellte sein ganzes Leben in den Dienst des von ihm aufgebauten Unternehmens.

 
 

Von den Funk-Patenten zum Motorrad

Zum Zeitpunkt der Firmengründung von „Società Scientifica Radio Brevetti Ducati" im Juli 1926 durch Adriano, Bruno und Marcello Cavalieri waren diese Drei zusammen keine 50 Jahre alt. Vermutlich haben sie damals auch nicht im entferntesten daran gedacht, dass aus diesem bescheidenen Betrieb für radioelektrisches Material einer der angesehensten Motorradhersteller werden sollte.
Hinzu kam, dass die Anfänge gedanklich ohnehin unter einem völlig anderen Stern standen.

Der Physikstudent Adriano Ducati führte 1922 im Alter von 19 Jahren eine Reihe an Experimenten zu der aufkommenden Funkwissenschaft und ihrer Anwendung durch. Am 15. Januar 1924 gelang es ihm, mit den von ihm gebauten Geräten von seinem Haus in Bologna aus einen Funkkontakt mit den Vereinigten Staaten herzustellen: eine für die damalige Zeit einmalige Sache.

Das war der Anfang des großen Ducati-Abenteuers.
Im Anschluss an die Produktion von Elektrokondensatoren und -komponenten entstand in den Folgejahren ein großer Forschungsbereich, durch den sich auch die Pforten in Richtung Optik und Mechanik öffneten. Man startete die Produktion von Fotoapparaten und Linsen sowie Registrierkassen und Elektrorasierern.
Während Adriano der technisch-wissenschaftliche Geist des Unternehmens war, übernahm Bruno die Rolle des Verwaltungs- und Finanzdirektors.

Am 7. Mai 1934 wollte Guglielmo Marconi zur Gelegenheit des ersten Kongresses italienischer Radiotechniker in Bologna die Gesellschaft „Società Scientifica Radio Brevetti Ducati" an ihrem Firmensitz in der Viale Guidotti 51 besuchen: Für die Brüder Ducati war dies ein unvergesslicher Augenblick. Als Marconi sich zwei Stunden später verabschiedete, bedankte er sich mit einem Foto mit Widmung, das bis heute aufbewahrt wird.

Aufgrund der schnellen Expansion des Unternehmens wurde 1935 ein 120.000 m² großes Gelände in Borgo Panigale, am nordwestlichen Stadtrand von Bologna, gekauft. Noch am 1. Juni desselben Jahres wurde in Anwesenheit der Stadtbehörde der Grundstein zum heutigen Ducati-Werk in Via Cavalieri Ducati 3 gelegt, dessen architektonischer Entwurf von Bruno Cavalieri Ducati stammt.
Aufgrund seiner Verdienste wurde Bruno 1939 zum „Ritter der Arbeit" ernannt.

Einen Tag nach dem am 9. September 1943 geschlossenen Waffenstillstand hielten um 9.00 Uhr morgens 20 deutsche Panzer vor dem Ducati-Werk in Borgo Panigale. Mit Maschinengewehren bewaffnete Soldaten umzingelten die Gebäude. Es war der Beginn einer Tragödie und das scheinbare Ende für die Brüder Ducati und ihr Unternehmen. Die oberste deutsche Heeresleitung erteilte vor einer über 30.000 m³ großen Fabrik mit 6.000 Angestellten und 4.000 Werkzeugmaschinen den Befehl, alles komplett - Menschen und Maschinen - nach Deutschland überzusiedeln. Ohne jede Hilfe, sondern nur mit der Unterstützung mutiger Arbeiter gelang es den Brüdern Ducati unter Einsatz ihres Lebens nachts mit einem LKW, Karren und von Hand, zahlreiche Maschinen und einen Teil des Rohmaterials zu geheimen Lagern zu verbringen. Ihre Bemühungen wurden jedoch nicht prämiert: Am 12. Oktober 1944 wurde das Werk von Bombengeschwadern komplett zerstört.

Wiederaufbauversuche wurden direkt nach dem Krieg durch große finanzielle Probleme behindert: Am 1. Dezember 1947 präsentierte die „Società Scientifica Radio Brevetti Ducati" ihre Rechnungsbücher vor Gericht. Bis 1948, dem Jahr, in dem das Unternehmen an die FIM (Mechanischer Industriefond) und IMI (Italienisches Immobilieninstitut) überging, hatte Bruno Cavalieri Ducati die Position des Verwaltungs- und Finanzdirektors inne. Im Anschluss daran ging das Werk komplett in staatliche Hände über.

In der Zwischenzeit begann man direkt nach Kriegsende mit den schwierigen Wiederaufbauarbeiten: Der Bürgermeister von Bologna, Giuseppe Dozza, stellte den Brüdern Ducati 12, von den Alliierten zur Räumung des Bombenschutts erhaltene LKWs zur Verfügung. Es war ein günstiger Moment, um neue Wege einzuschlagen und die Produktion umzugestalten. 1945 rollte der Cucciolo in Borgo Panigale vom Band. Der erste von Ducati produzierte Motor sollte sich als Urvater einer kompletten nachfolgenden Motorradproduktion erweisen. Das Cucciolo stellte eine Innovation im Motorsportbereich dar: Nie zuvor hatte jemand die geniale Idee gehabt, ein Triebwerk in einem Fahrrad zu verbauen. Aufgrund der in der Nachkriegszeit bestehenden extrem schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse hätten sich nur wenige Menschen ein kostspieliges Fahrzeug zulegen können. Dies betraf nicht nur den Preis, sondern auch die Schwierigkeiten bei der Beschaffung des Kraftstoffs. Vorrangiges Ziel war es deshalb, einen möglichst geringen Verbrauch garantieren zu können. Ein Merkmal, das ausschließlich ein kleiner, an verschiedene Kraftstoffe anpassbarer Viertakt-Motor mit einem geringen Verdichtungsverhältnis erfüllen konnte (im Gegensatz zu den Angeboten der Konkurrenz war das Cucciolo leistungsstärker und hatte einen äußerst geringen Verbrauch: 100 km mit einem Liter Verbrauch unter Idealbedingungen).
Dieses Modell war dermaßen erfolgsgekrönt, dass damit das Ruder herumgerissen werden konnte und der Wiederauferstehung des Unternehmens nichts mehr im Wege stand.

Das Motorradzeitalter von Ducati hatte begonnen: Sein Erfolg ist nunmehr Teil unserer heutigen Geschichte.

1998 wurde Bruno Cavalieri Ducati zum Ehrenpräsident der Ducati Motor Holding S.p.A. ernannt.

Wenige Monate vor seinem Tod schickte Bruno Cavalieri Ducati am 30. März 2001 einen ideellen Brief an die ehemaligen Ducati-Angestellten von Ende der 1930er Jahre, dem wahrhaftigen „Goldenen Zeitalter" des Unternehmens aus Bologna.
Doch sein Schreiben richtete sich an alle, die in der 75-jährigen Geschichte zum Erfolg von Ducati beigetragen haben.

Liest man sich heute den uns von Bruno überlassenen Brief durch, klingt er beinahe wie ein spirituelles Testament, wie eine Mahnung an uns alle, mit Mut und Leidenschaft den vor Jahren eingeschlagenen Weg weiter zu gehen.

 

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