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Livio Lodi

Der seit April 1987 bei Ducati angestellte Livio gehört seit November 1998 zum Ducati-Museumsteam.

Livio Lodi wurde 2001 Kurator des Museums. Seither war er an mehreren, an die Ducati-Tradition gebundene Tätigkeiten beteiligt.

Livio Lodi gilt als das „historische Archiv“ des in Borgo Panigale ansässigen Unternehmens.

 
 

Interview mit dem Kurator des Ducati Museums

Wann begann deine Karriere bei Ducati?

Ich erinnere mich noch ganz genau, dass ich nach einem Vorstellungsgespräch im November 1986 zusammen mit meinem Zwillingsbruder Luigi am 13. April 1987 angestellt wurde. Beide wurden wir entlang der Verkleidungslinie der Paso stationiert, wo wir die Aufgabe hatten, die Verkleidungen am fertigen Motorrad zu befestigen. Eigentlich verdanke ich meine Einstellung bei Ducati meinem kürzlich verstorbenen Vater, der lange Zeit als beratender Arzt bei Ducati Meccanica und Elettrotecnica tätig war und mich bereits mit fünf Jahren, an Weihnachten 1971, das erste Mal mit in die Firma nahm.

Nach einer einjährigen Lehrzeit an der Montagelinie der F1, Indiana und Paso sowie der allerersten 851, wurde ich im Februar 1988 in die Verwaltungsabteilung versetzt, wo ich fast zehn Jahre lang arbeitete und für die Buchhaltungsdaten bezüglich der Entwicklung neuer Projekte und die Ertrags- und Leistungsrechnung der verschiedenen Abteilungen zuständig war. Mein Bruder verließ Ducati dagegen bereits nach wenigen Monaten.

Nach einer kurzen Probezeit erhielt ich die Aufgabe, dem Ducati-Museumskurator als Assistent zur Hand zu gehen. Zu verdanken hatte ich dies meinen Sprachkenntnissen und meiner im Verlauf dieser Jahre hobbymäßig erlernten Kenntnisse der zeitgenössischen Geschichte.

Im Dezember 2001 wurde ich schließlich zum neuen Kurator des Museums ernannt und ersetzte somit meinen Vorgänger Marco Montemaggi. Seit diesem Zeitpunkt kümmere ich mich bei Ducati um alles, was in diesem Unternehmen von 1926 bis..........gestern passiert ist!

Was war das schwierigste Projekt, das du dennoch zu Ende bringen konntest?
Diesbezüglich muss ich gleich etwas klarstellen: Im Prinzip ist die gesamte von

mir und meinen Mitarbeitern umgesetzte Arbeit schwierig. Man darf nicht vergessen, dass 1973 alles, was die Unternehmensgeschichte betraf, eingestampft wurde! Manchmal habe ich das Gefühl, dass meine Hauptarbeit vielmehr die eines Archäologen ist, der bei seinen Grabungen relativ konfuse und unordentliche Funde ans Licht bringt, und weniger die eines Museumskurators. Dennoch sind wir dabei unter Aufwendung einer enormen Geduld, Stück für Stück das zusammengesetzte Mosaik der Ducati Geschichte wieder zusammenzufügen. Leider ist das aber alles andere als einfach, glauben Sie mir!

Was die von mir umgesetzten Projekte anbelangt, kann ich mit Sicherheit die Rückkehr der Apollo zu Ducati anführen, aber auch das Projekt für die Silberausführung der 996 von Bayliss in Imola im Jahr 2011 oder die Restaurierung der 250er Zweizylindermaschine von Mike Hailwood. Außerdem sind uns auch gewisse historische „Scoops" wie die Auffindung wichtiger Unterlagen zum dunklen Zeitraum des Zweiten Weltkriegs gelungen. Auch die ständige Aktualisierung des historischen Bildarchivs des Unternehmens zählt zu meinen Aufgaben, in dem die ältesten Fotos bereits 70 Jahre alt sind. An dieser Stelle muss ich jedoch unbedingt darauf hinweisen, dass ich bei jedem Projekt auf die Hilfe und das Vertrauen der Kollegen und meines Bruders setzen konnte, die mich ständig antrieben, mein Bestes zu geben, um allen Fans einen Eindruck von der kompletten Ducati Geschichte vermitteln zu können.

Livio, hier im Haus bist du eine Art lebendes Archiv der Ducati Geschichte und zwar nicht nur wegen deiner Leidenschaft, sondern allem voran wegen deiner Kenntnisse. Hast du hier im Museum ein Lieblingsmotorrad?
Wenn ich eins nur für mich haben könnte, wäre es die Siluro. Da ich hier als ein etwas „merkwürdiger" Typ gelte und eine große Leidenschaft für besondere Dinge hege, ziehen mich ihre ungewöhnlichen Formen magisch an. Unter den Motorrädern der 70er und 80er Jahre gefällt mir die Paso, weil es das erste Motorrad war, an dem ich gearbeitet habe und es optisch einfach brillant ist. Aber eigentlich ist es schwer zu sagen, welches mir am Besten gefällt. Ich liebe sie alle, die schönen und weniger schönen, die berühmten und die in Vergessenheit geratenen. 

Wer hat unter all den Persönlichkeiten, die du im Verlauf deiner Museumstätigkeit kennen gelernt hast, den größten Eindruck bei dir hinterlassen?
Ich erinnere mich noch ganz genau daran, als ich zum ersten Mal auf Fabio Taglioni traf, den Erfinder es Desmo-Systems und Konstrukteur zahlreicher Ducatis. Ich fand ihn sehr nett und sehr zuvorkommend....eben ein Mann aus einer anderen Zeit und unglaublich genial. Außerdem hatte ich das Glück, ihn als Nachbarn zu haben. Früher lebte er einen halben Kilometer von mir entfernt und Samstag nachmittags trafen wir uns auf einen Kaffee mit seiner Frau. Aber auch an mein erstes Zusammentreffen mit Federico Minoli, dem ehemaligen geschäftsführendem Vorstandsmitglied von Ducati muss ich in diesem Zusammenhang denken. Ihm verdanke ich es schließlich, dass ich die Möglichkeit erhielt, das zu machen, was mir den größten Spaß bereitet.

Welche wichtigen Projekte stehen demnächst an?
Auf jeden Fall die Umsetzung des neuen Museumsraums (des siebten), in dem die Desmosedici ausgestellt werden. Seit dem verblüffenden Debüt auf der Weltmeisterschaft ist gerade mal ein Jahr vergangen, trotzdem ist sie bereits ein wichtiger Teil der Ducati Geschichte und verdient es, in unserem Museum einen Platz zu erhalten. Die Fans fordern das außerdem auch schon lautstark Dann steht eine chronologische Ordnung aller historischen und ikonografischen Dokumente an, die wir in den vergangenen drei Jahren zusammentragen konnten. Insgesamt liegen uns Hunderte von Fotos vor, von denen viele bis dato nie veröffentlicht wurden.

Abschließend möchten wir dich noch fragen, was deine größten, bisher noch unerfüllten Träume sind?
Ich würde es gerne schaffen, die 125 Desmo zurück zu Ducati zu holen. Es ist das einzige Motorrad, das hier im Museum fehlt und dieses historische Loch muss über kurz oder lang geschlossen werden. Und dann, wer weiß - vielleicht gelingt es uns, ein Museum mit den Produktionsmotorrädern zu schaffen, was bei unseren Motorradfans ein nie da gewesenes Interesse ausgelöst hat, das sich insbesondere seit der Lancierung der SportClassic zeigt. Was mich anbetrifft, so würde ich gerne heiraten. Aber Apollo zu finden und zu Ducati zu bringen, war im Vergleich zur Wahl der idealen Partnerin gleichbedeutend mit einem Parkspaziergang. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf...

Lassen sich all diese Träume in die Tat umsetzen oder nicht?
Ich möchte an dieser Stelle nicht behaupten, dass Träume immer Wirklichkeit werden, aber lasst mich die berühmten Worte Martin Luther Kings zu diesem Thema zitieren:

„Träume sterben nicht, weil sie nicht umsetzbar sind, sondern vielmehr weil wir aufhören, an sie zu glauben".

Ich glaube noch an das Glück und die Erfahrung.

 

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