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Paul Smart

Paul Smart zu Beginn seiner Karriere im Sattel einer Ducati 250 250 Mark 3D im Jahr 1968.

Paul Smart zu Beginn seiner Karriere im Sattel einer Ducati 250 250 Mark 3D im Jahr 1968.

Paul Smart im Einsatz auf der 750 Imola Desmo bei den „200 Meilen von Imola“ von 1972.

Paul Smart und Bruno Spaggiari heizen auf der Geraden des „Autodroms am Santerno“.

Paul Smart in der Acque Minerali-Kurve bei den „200 Meilen von Imola” von 1972.

Paul Smart und Bruno Spaggiari feiern 1972 auf dem Siegespodium der „200-Meilen von Imola“.

Paul Smart und Bruno Spaggiari 1974 in der Box in Imola 1974.

Paul Smart wird noch heute von den Ducati-Anhängern hoch geschätzt.

Paul Smart bei der Ehrenrunde zur Gelegenheit des letzten Laufs der Superbike-Meisterschaft 2001.

Troy Bayliss, Paul Smart und Doktor Costa posieren im Jahr 2001 zusammen mit der 750 Imola von 1972 und der 996 in einer an die „200 Meilen von Imola“ erinnernden Livree.

 
 

Der am 23. April 1943 in Eynsfords (Kent) geborene englische Motorradrennfahrer nahm mit zahlreichen Marken an ebenso zahlreichen und unterschiedlichsten Rennen teil. Mit seinem legendären Sieg beim 200 Meilen-Rennen in Imola im Jahr 1972 wurde er jedoch für die Fans der Ducati Geschichte zur Legende.

Das von Paul Smart damals vor 70.000 Fans gefahrene Rennen war mit Sicherheit das wichtigste in der gesamten Ducati Geschichte. Elf Marken traten damals gegeneinander an - unter anderem muskelgestählte Motorräder von MV Agusta, Honda, Triumph, Norton, BSA und Moto Guzzi - gefahren von den bedeutendsten Rennfahrer der damaligen Zeit, wie Phil Read, Walter Villa und dem Favoriten Giacomo Agostini. Ducati konzentrierte sich damals vorrangig auf Produktionsproblematiken und weniger auf Investitionen in das Renngeschehen, weshalb ihr Motorrad auch nicht zu den Siegerfavoriten zählte. Tatsächlich wählte das in Bologna ansässige Unternehmen für dieses Rennen eine GT 750, also ein für den Gran Turismo ausgelegtes Motorrad, das zudem die erste Ducati war, an der ein desmodromischer Motor verbaut wurde.

Ansonsten vertraute man auf den englischen Fahrer, der zwar über herausragende Fähigkeiten verfügte, aber im Schatten des leuchtenden Sterns des großen Agostini und dessen MV Agusta stand.

Rahmen, Radfederungen und Bremsen der Ducati GT 750 waren denen der Straßenversion identisch, während das Motorrad von „Ago" mit Teilen der für den GP bestimmten 500er bestückt war. Unterstützt von seinem kleinen, aber äußerst professionellen Team ging Smart beim 200 Meilen-Rennen von Imola an den Start, bei dem sein Motorrad die richtige Effizienz bewies und sich perfekt auf den Punkt gebracht zeigte. In der vierten Runde gelang es dem englischen Piloten, sich an die Fersen des Favoriten Agostini auf seiner MV Agusta zu heften und, zur Überraschung vieler der Anwesenden, fuhr Smart bei diesem 200 Meilen-Rennen als Erster durchs Ziel. Ein zusätzliches Highlight war, dass hinter der Ducati von Smart eine weitere Ducati in die Zielgerade einfuhr. Sie wurde vom

Piloten Bruno Spaggiari gelenkt, dem auf den letzten Metern der Kraftstoff ausging und daher letztendlich nicht mehr mit Smart um den Sieg kämpfen konnte.

Dies war die Apotheose schlechthin. Erstmals wurden die leistungsstarken Motorräder des Grafen Domenico Agusta durch solch ein eklatantes Ergebnis beschämt. Vor diesem erinnerungswürdigen Sieg war der in den Vereinigten Staaten fahrende englische Pilot nur Wenigen bekannt. Sein amerikanisches Team, Hanson Kawasaki, brachte japanische Motorräder bei Rennen zum Einsatz, die jedoch erhebliche Probleme in Sachen Zuverlässigkeit aufwiesen. Als Ducati Smart als Mitglied seines vierköpfigen Fahrerteams zu sich rief, war dieser von der Leistung der von Ingenieur Taglioni geleiteten technischen Abteilung überrascht und verstand nicht, warum das in Bologna ansässige Unternehmen nicht intensiver in den Rennsport investieren wollte. Zu diesem Zeitpunkt zeichnete sich jedoch bereits ein Umschwung in diese Richtung ab und der Sieg in Imola bewies eindeutig, wie wichtig die Rennteilnahme auch für den Absatz auf dem Markt war.

Ruft man sich die Vorkommnisse vor dem Rennen ins Gedächtnis, wird deutlich, wie abenteuerbehaftet die Verpflichtung Smarts war: Taglioni gelang es, den Direktor Fredmano Spairani davon zu überzeugen, die finanzielle Abdeckung entsprechend erforderlicher Investitionen abzusegnen und versuchte gleichzeitig gute Piloten wie Jarno Sarinen, Barry Sheene oder Renzo Pasolini für das Team zu gewinnen. Ducati war jedoch 1972 eine im Wettkampfgeschehen der großen Zylinderklassen relativ unbekannte Marke, da frühere Siege immer mit kleinen Einzylinder-Motorrädern erzielt wurden. Entsprechend gering war das Vertrauen der Rennfahrer in einen Sieg bei der ersten Teilnahme auf der F 750, wie die für das Rennen getunte GT 750 genannt wurde.

Spairani unternahm schließlich einen letzten Versuch, weniger bekannte Piloten, wie den Engländer Alan Dunscombe und den Veteranen Bruno Spaggiari zu verpflichten. Auch versuchte man Smart zu kontaktieren, was jedoch mit

erheblichen Schwierigkeiten verbunden war. Letztlich gelang die Kontaktaufnahme über seine Lebensgefährtin Maggie, der Schwester von Barry Sheene. Obwohl Smart ursprünglich alles andere als überzeugt von dieser Wahl war, kam es zum Vertragsabschluss. Bei Smarts Ankunft in Italien wunderte er sich über den großen Wagen, der ihn am Mailänder Flughafen erwartete, um ihn von hier aus direkt zur Teststrecke nach Modena zu bringen. Man gab ihm nicht einmal die Zeit sich zu erfrischen oder etwa auszuruhen. Trotz seiner Erschöpfung begann er die Dunlop TT100 Reifen und unterschiedliche Rahmen zu testen.

Smart war überrascht davon, dass nahezu das gesamte verwendete Material von Motorrädern aus der normalen Produktion stammte und dass ihn zweifelsohne das professionellste Team umgab, mit dem er es je zu tun gehabt hatte. Das Team bestand aus zehn Motorrädern und dreißig Personen, die allesamt mit einer besonderen Entschlossenheit und Leidenschaft bei der Sache waren, die Ducati von Anfang an auszeichnete.

Keiner ahnte zu diesem Zeitpunkt jedoch, dass ihnen ein absolut eklatanter Sieg beschert werden würde.

Auszug aus Passione Ducati - Ausgabe De Agostini/Altaya, mit freundlicher Genehmigung des Verlegers.

 

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