Der „Doctor" hat in seiner bisherigen Karriere schon mehr erreicht als die meisten seiner Konkurrenten. In den letzten 15 Jahren hat er jede Saison mindestens ein Rennen in einer der Grand Prix Klassen gewonnen und ist der einzige Fahrer mit aufeinanderfolgenden GP-Siegen auf Fahrzeugen unterschiedlicher Hersteller. Mit 79 MotoGP Siegen startet Rossi in die Saison 2011, in allen Klassen zusammen waren es insgesamt 105 Grand Prix Siege bis 2011. Damit steht Valentino zu Saisonbeginn 2011 auf Platz zwei der Bestenliste. Mit 230 Grand Prix Starts in Folge, den meisten Podiumsplätze in der GP (insgesamt 174 über alle Klassen, Stand 2011) und die längste Serie an Podestplätzen (23, von 2002 bis 2004) wird Rossi lediglich nur (noch) von Giacomo Agostini übertroffen.
Valentino wurde am 16. Februar 1979 in Urbino, Italien geboren. Sein Geburtsort liegt nur eine halbe Stunde von Tavullia entfernt, dem Ort, in dem er bei seinen Eltern Graziano und Stefania aufwuchs. Das war in dem Jahr, in dem Graziano in seiner zweiten Grand Prix Saison antrat (und seinen ersten Sieg einfuhr). So gesehen ist es wenig verwunderlich, dass „Vale" selbst bereits im Alter von drei Jahren auf einem Mini-Bike den heimischen Garten unsicher machte. Vor dem Hintergrund, dass sein Vater Graziano die eigene Karriere bereits vorzeitig aufgrund einer Verletzung beenden musste, ist es verständlich, dass Valentinos Eltern wenig von der Idee begeistert waren, dass ihr Sohn eine Karriere als Rennfahrer anstrebte. Seine ersten Wettkämpfe bestritt Vale in einem 60ccm Go-Kart und gewann 1990 seinen ersten Titel. 1989 bekam der damals zehnjährige zu Weihnachten ein Mini-Bike. Hin und wieder dreht er damit ein paar Runden. Sein unglaubliches Talent wurde schnell erkennbar. Bereits 1992 fuhr er seinen ersten Titel in der Mini-Bike Meisterschaft ein.
Nachdem er die 125ccm Aprilia eines Freundes um den Kurs in Misano bewegt hatte, beendete er seine Kart-Ambitionen und konzentriere sich voll auf den Motorrad Rennsport - ein Entschluss, den letztendlich auch seine Eltern unterstützen. 1993, als Rossi 14 wurde, ging es mit seiner Karriere richtig los. Nun war er alt genug, um in Italien endlich offiziell in der 125er Klasse zu starten.
Valentino bekam einen Platz im Cagiva Claudio Lusuardi-run Team. Sein erstes Rennen in der 125ccm Superbike Klasse bestritt er in Magione. Es war ein unglückliches Debüt. Rossi stürzte in der ersten Runde, konnte jedoch weiterfahren, bevor er sechs Runden später erneut unfreiwillig abstieg - trotzdem beendete er das Rennen als Neunter. Er machte große Fortschritte im weiteren Verlauf der Saison und qualifizierte sich für das Finale der Serie in Misano. Er startete von der Pole-Position, vor dem Titelverteidiger. Trotz eines völlig vermasselten Starts, beendete er das Rennen auf dem Podium.
Valentinos Leistung im Saisonfinale 1993 sicherte ihm einen Platz im Cagiva Werksteam für das kommende Jahr. Graziano brachte ihn zusätzlich noch in der italienischen Meisterschaft auf einer 125er Sandori unter.
In seinem zweiten Rennen, ebenfalls in Misano, fuhr er den ersten Sieg seiner Karriere ein und holte sich am Ende der Saison den Titel. Parallel konnte er dank einer Reglementänderung im GP von Italien erste Erfahrungen auf einer richtigen Rennmaschine sammeln. Eine wertvolle Erfahrung, wie sich 1995 herausstellen sollte, als Vale einen Vertrag im Aprilia-Team von Mauro Noccioli unterschrieb und dann auf europäischer Ebene antrat. Parallel fand die GP-Weltmeisterschaft auf internationaler Ebene statt.
In Italien sicherte sich Valentino den Titel und blieb der Serie treu. International lief es nicht ganz so gut. Trotz mehrerer Stürze beendete er die Saison als Dritter in Europa. Damit stand ihm der Weg in die WM offen.
1996 gab Rossi sein WM-Debüt im Team von Noccioli auf einer Aprilia RS250. Das Auftaktrennen in Malaysia beendete er als Sechster. Im vierten Rennen, in Spanien, kämpfte er bereits ums Podium. Dieses Ziel erreichte er dann im zehnten Lauf der Saison in Österreich. Im darauffolgenden Rennen in Brünn stand er zum ersten Mal auf Pole und gewann tags drauf auch das Rennen. Am Ende seiner Rookie Saison wurde er Neunter in der WM-Wertung.
Immer noch auf Aprilia dominierte er seine zweite Saison: Er errang elf Siege in 15 Rennen. In den restlichen vier Rennen stürzte er einmal, erreichte einen zweiten und einen sechsten Platz. Über die Saison startete Vale viermal von der Poleposition und sicherte sich am Ende seinen ersten Titel in der 125ccm Klasse mit 83 Punkten Vorsprung.
1998 stieg Rossi in die 250er Klasse auf und trat mit einer Aprilia von Rossano Brazzi an. Bereits in den ersten sechs Rennen landete er dreimal auf dem zweiten Platz, bevor er endlich seinen ersten Sieg in Assen feiern konnte. Außerdem gewann er die letzten vier Rennen der Saison - Imola, Barcelona, Phillip Island und Argentinien. Nur drei Punkte hinter seinem Landsmann und Weltmeister Loris Capirossi beendete er die Saison.
Im darauffolgenden Jahr stellte Rossi sein ganzes Können unter Beweis. Er gewann neun Rennen und drei weitere Plätze auf dem Podium. Damit hatte er den Titel in der Viertelliter-Klasse in der Tasche und seine Beliebtheit stieg unaufhaltsam.
Die Saison 2000 brachte für Valentino Rossi den Aufstieg in die 500ccm Klasse und damit den Beginn einer langen Partnerschaft mit seinem australischen Chefmechaniker Jeremy Burgess. Es dauerte zwar eine Weile, bis der 21-jährige mit der Leistungsentfaltung des Vierzylinder „Screamer" Motors zurecht kam, dennoch erreichte er zehn Podestplätze in diesem Jahr (darunter Siege in Donington Park und Rio). Hinter Kenny Roberts Jr. wurde er Vize-Meister am Ende der Saison. Im selben Jahr gab Valentino zusammen mit Colin Edwards sein Debüt beim 8-Stunden-Rennen von Suzuka. Allerdings stürzten beide Piloten und brachen anschließend das Rennen ab.
2001 setzte Rossi seinen unglaublichen Werdegang fort, in eine neue Klasse einzusteigen, diese zu dominieren und im Jahr darauf in die nächst höhere Klasse aufzusteigen. In der prestigeträchtigen 500ccm Klasse holte er sich 2001 die Krone mit elf Siegen und zwei weiteren Podiumsplätzen. Krönender Abschluss der Saison war ein Sieg bei den acht Stunden von Suzuka, gemeinsam mit Teamkollege Colin Edwards.
Im ersten Jahr der MotoGP-Ära, 2002, erhielt Rossi eine 990ccm Honda RC211V Werksmaschine. Als Fahrer im HRC Werksteam gewann der Italiener das Auftaktrennen in der neuen Meisterschaft sowie acht der neun folgenden Rennen. Am Ende der Saison gingen elf Siege in 16 Rennen auf sein Konto und er wurde mit 140 Punkten Vorsprung Weltmeister.
2003 lief es ähnlich rund für Valentino. Neun mal stand er ganz oben auf dem Treppchen und sicherte sich den fünften WM-Titel seiner Karriere.
In der Saison 2004 schrieb Valentino erneut Geschichte: Er wechselte mit seiner Crew um Mechaniker Burgess von Honda, dem dominierenden Hersteller, zu Yamaha, die seit zwölf Jahren vergebens auf einen Titel warteten. Nach den Wintertests, während denen das neue Bike komplett geändert wurde, siegte er im Auftaktrennen auf der YZR-M1 in Südafrika. Damit war er der erste Fahrer, der zwei aufeinanderfolgende GP-Läufe auf Motorrädern unterschiedlicher Hersteller gewann. Acht weitere Siege im Lauf der Saison reichten erneut für den WM-Titel, vor dem Spanier Sete Gibernau.
Auch 2005 ging der MotoGP WM-Titel an Rossi. Elf Siege und nur ein Rennen ohne Podestplatz - seinen siebten WM-Titel holte er mit 147 Punkten Vorsprung vor Marco Melandri.
Das Jahr 2006 brachte für den Italiener einige technische Probleme mit sich, dennoch reichte es für fünf Siege - mehr als jeder andere Fahrer in dieser Saison. Am Ende reichte es trotzdem nicht ganz und er wurde zweiter in der WM, nur fünf Punkte hinter Nicky Hayden, der konstanter fuhr.
Im ersten Jahr mit 800ccm Maschinen gab es für Rossi ernstzunehmende Konkurrenz - hauptsächlich von Ducati Neuzugang Casey Stoner. Dazu kamen noch etliche technische Probleme. Trotzdem fuhr Valentino in den 18 Rennen vier Siege und vier weitere Podiumsplätze ein. Am Ende der Saison landete er auf Platz drei, hinter Weltmeister Casey Stoner und dem Spanier Dani Pedrosa, der nur einen Punkt Vorsprung hatte.
In der 2008er Saison, mit dem Wechsel des Reifenherstellers von Michelin auf Bridgestone, wendete sich das Glück wieder zu Rossis Gunsten: Der einzigartige Italiener gewann auf seinem Weg zu Titel Nummer acht (dem sechsten in der Königsklasse) neun Rennen. Seine Erfolgsserie brachte den siebten Sieg in Folge in Mugello, den ersten Sieg seiner Karriere in Laguna Seca und den Sieg auf dem Motorspeedway in Indianapolis, bei schwierigsten Wetterbedingungen.
In der Saison 2009 errang Rossi Titel Nummer neun. Sechs Siege und sechs weitere Podiumssplätze verschafften ihm am Saisonende 45 Punkte Vorsprung auf Teamkollege Jorge Lorenzo.
Dieser teaminterne Titelkampf sollte 2010 nicht weiter gehen. Rossi gewann das Auftaktrennen, das Nachtrennen in Katar, verletzte sich aber kurze Zeit später - am 15. April um genau zu sein - bei einem Motocross-Training an der Schulter. Kurze Zeit später, beim Training zu seinem HeimGP in Mugello, stürzte er erneut und erlitt einen offenen Schienbeinbruch. Damit waren alle Hoffnungen, den Titel zu verteidigen, zunichte gemacht. Nichtsdestotrotz arbeitet er nach seiner OP hart daran, so schnell wie möglich wieder ins Renngeschehen einzugreifen. Anfängliche, optimistische Aussagen der Ärzte gingen davon aus, dass Rossi für das Rennen in Brünn, nur zwei Monate nach seinem Crash, wieder fit wäre. Dank intensiver Reha-Maßnahmen (sogar mit Therapien in einer Dekompressionskammer) und zwei Testfahrten auf einem Superbike, schaffte es der „Doctor", am Sachsenring sein Comeback zu feiern - nur 41 Tage nach seinem Sturz. Belohnt wurde seine Tapferkeit mit Platz vier am Sachsenring und sogar einem Podiumsplatz beim darauffolgenden Rennen in Laguna Seca. Trotz der Folgen seiner Verletzungen fuhr Valentino im Verlauf der restlichen Saison sechs weitere Male aufs Siegertreppchen, inklusive einem Sieg in Sepang. Am Ende wurde er dritter in der WM, hinter dem neuen Champion Lorenzo und Pedrosa.
Unmittelbar nach dem Grand Prix von Tschechien in Bünn wurde der Wechsel von Valentino Rossi zum Ducati Marlboro Team 2011 und die Unterzeichnung seines Zwei-Jahres-Vertrags bekannt gegeben. Dank der Zustimmung von Yamaha durfte Rossi bereits bei den Tests in Valencia die Ducati GP11 Probe fahren. Sonntags darauf begab sich Rossi noch mal unters Messer, um seine verletzte Schulter operieren zu lassen. Der Eingriff wurde im Cattolica's Cervesi Hospital von Dr. Alex Castagna, einem Experten aus Mailand und Dr. Giuseppe Porcellini, einem Schulter- und Ellbogen-Experten aus Rimini, durchgeführt.
Über den Winter absolvierte Rossi ein intensives Wiederaufbau- und Fitnessprogramm als Vorbereitung auf den großen Vorsaisontest vom 1. bis 3. Februar in Sepang, Malaysia.
Alter: 32, geboren am 16. Februar 1979 in Urbino (Italien)
Startnummer: 46
Erster GP: Malaysian GP, 1996 (125cc)
Erster GP Sieg: Tschechische Republik GP, 1996 (125cc)
Erste Pole: Tschechische Republik GP, 1996 (125cc)
WM-Titel: 9 (1 x 125cc, 1 x 250cc, 1 x 500cc, 6 x MotoGP)
2011: Ducati Marlboro Team Rider - MotoGP World Championship